Rurtalwerkstätten zu Besuch auf der Werkstättenmesse

25. Mai 2018

Auch in diesem Jahr besuchte eine Gruppe von Vertretern der Rurtalwerkstätten Düren die alljährliche Werkstättenmesse in Nürnberg. Vom 17.04.2018 bis zum 19.04.2018 waren Mitarbeiter und Angestellte aus Werkstattrat, Sozialdienst und Geschäftsleitung unterwegs um sich angeregt mit Kollegen aus ganz Deutschland auszutauschen, sich Fachvorträge anzuhören und gemeinsam Inspiration für neue und Projekte zu finden. Der Vorsitzende des Werkstattrats, Lulzim Lushtaku, hat die Tage in einem anschaulichen Bericht zusammengefasst:

"Bericht vom Besuch der Nürnberger Werkstätten Messe

Mit interessanten Eindrücken und Erlebnissen zurück nach Düren, mit neuen Ideen im Kopf und Herzen.

Mit dem Ziel im Gepäck, neue Erkenntnisse und Inspirationen für unsere Arbeit im Werkstattrat zu sammeln, machte ich, Lulzim Lushtaku, mich zusammen mit meiner Kollegin Jenny Kötzsch und den Angestellten Mona Heidenthal, Frenzy Dießel, Barbara Koerner, Beatrix Dammers Baltus, Ute Moll, Jürgen Moll und Thomas Holzweiler bei strahlendem Sonnenschein und einem wunderschönen blauen Himmel, am Dienstag, den 17.04.2018 vom Dürener Bahnhof gegen 13:15 Uhr mit dem Zug auf nach Nürnberg.


Ich wollte das erste Mal die Werkstättenmesse besuchen, die in diesem Jahr vom 17.04.2018 bis zum 19.04.2018 stattfand.

Unsere vorgeplante Reiseroute mit der Deutschen Bahn sollte von Düren aus erst zum Kölner Hauptbahnhof führen. Dort sollten wir dann umsteigen, um mit dem ICE nach Nürnberg weiter zu fahren. Wir hofften, den Nürnberger Hauptbahnhof am frühen Abend zu erreichen.

Doch wie so oft im Leben kam es anders als gedacht und wir kamen mit über einer Stunde Verspätung erst am Bahnhof an.

Wenn man so wie ich als Rollstuhlfahrer, der um von A nach B zu kommen auf funktionierende Aufzüge angewiesen ist, war ich leider mehrmals darauf angewiesen, mich von zwei bis drei Personen die Treppen rauf und runter tragen zu lassen. Denn, wenn man den Fahrstuhl unbedingt braucht, ist er meistens kaputt.

 
 


An dieser Stelle möchte ich mich zuallererst von ganzem Herzen bei Allen bedanken, die mir geholfen haben, diese Barrieren zu bewältigen. Ein ganz besonderer Dank geht hier an Jürgen Moll und an Thomas Holzweiler, die dafür Sorge getragen haben, mich behutsam die Treppen hoch und wieder runter zu bekommen.

Gleichzeitig liegt es mir aber auch sehr am Herzen weiterzugeben, dass ich als Rollstuhlfahrer, der großen Wert auf Selbstständigkeit legt, diese Reise nach Nürnberg nicht ohne fremde Hilfe hätte bewerkstelligen können. Auch in Nürnberg war von Barrierefreiheit, so wie sie heutzutage eigentlich selbstverständlich sein müsste, leider nicht viel zu sehen.

Durch die lange Reise und die Probleme beim Umsteigen machte sich bei uns Allen eine gewisse Müdigkeit bemerkbar. Gegen 20 Uhr waren wir dann am Ziel und bezogen unsere Unterkunft. Ein Teil unserer Gruppe zog in eine kleine Ferienwohnung und ich zog mit der anderen Gruppe in das Hotel Number One, das zumindest teilweise barrierefrei eingerichtet ist.

Uns blieben nur ein paar Minuten, um unsere Reisetaschen abzulegen und uns im Zimmer umzuschauen, um nun mit der U-Bahn zurück nach Nürnberg zu fahren, da sich unser Hunger meldete, der nun auch gestillt werden sollte. In weiser Vorahnung hatte Herr Moll schon während der Fahrt in einem Lokal Namens „Barfüßer“ einen Tisch für uns alle reserviert. Auch die U-Bahn Verbindungen hatte er rausgesucht, was auch bis auf die fehlende Barrierefreiheit überall gut geklappt hat.

Es verging nicht viel Zeit, bis wir bei einem leckeren Essen und einer super Stimmung in einem sehr netten Ambiente den anstrengenden Tag gemütlich alle gemeinsam ausklingen ließen.

Mittwoch 18.04.2018 1.  Tag in Nürnberg

Nach einer viel zu kurzen, aber geruhsamen Nacht lies der schöne, sonnige Nürnberger Morgen nicht lange auf sich warten, den ich dann auch zusammen mit Thomas Holzweiler als erste von unserer Gruppe noch vor 7:30Uhr bei einem sehr angenehmen Frühstück im Number One begrüßte.

Etwa eine Stunde später war es dann endlich soweit. Alle hatten in der Zwischenzeit in Ruhe gefrühstückt, so dass wir uns nun frohen Mutes vom Hotel aufmachen konnten um das circa 10 minütig entfernte Messegelände zu Fuß zu erreichen. Ab 9:00 Uhr bis zum späten Nachmittag hatte nun jeder Einzelne von uns einen Marathon von interessanten Vorträgen sowie viele interessante Gespräche zu den verschiedensten Themenbereichen rund um die Werkstättenmesse vor sich.

Für mich begann der Marathon zusammen mit Jenny Kötzsch beim ersten Vortrag des Tages. Thema: Zukunftsplanung für den Werkstattrat von der Lebenshilfe Gießen e.V..

In diesem Vortrag präsentierte die Werkstatt die genaue Vorgehensweise ihres Werkstattrates bezüglich der besseren Zusammenarbeit mit ihrer Geschäftsführung.

Direkt nach dem ersten Vortrag ging es zumindest für mich Schlag auf Schlag weiter. Der nächste Vortrag

„10 Jahre Werkstatträte Deutschland – eine positive Bilanz?“

auf den ich schon sehr gespannt war, stand nun auf dem Programm. Der Vortrag der Werkstatträte Deutschlands – sprich sozusagen von meinen Kollegen, die sich für die Interessen der beschäftigten Mitarbeiter in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung auf Bundesebene bei den Politikern einsetzen teilte sich in 4 Themenbereiche auf:

Teil 1) Gründung, Geschichte des Vereins Werksatträte Deutschland und seine Funk-   tionsweise

Teil 2) Von 2008 bis heute: Rückblick auf 10 Jahre Arbeit

Teil 3) Die neuen Mitbestimmungsrechte im Zuge der neuen Mitwirkungsverordnung

Teil 4) Ein kleiner Blick auf die Vorhaben und die Herausforderungen der Zukunft

Nach dem Vortrag gab es im Anschluss noch die Möglichkeit Fragen zu stellen, die dann von den Vertretern der Werkstatträte Deutschlands beantwortet wurden. Wer rund um die Werkstatträte Deutschlands noch mehr erfahren möchte, der schaut am besten unter http://www.werkstatträte-deutschland.de/ nach.

Mit dem guten Gefühl Neues für meine Arbeit im Werkstattrat mitgenommen zu haben, rollte ich nach einer kurzen Verschnaufpause weiter zum nächsten Vortrag:

„Inklusion am Arbeitsplatz – Beruflich und Digital“. So lautete der Titel des nächsten Vortrages, bei dem ich dann auch wieder einen von unserer Gruppe sehen sollte. Den Vortrag der Architektin Maria Böhmer haben Mona Heidenthal und ich von der ersten bis zur letzten Minute gespannt verfolgt.

Im ersten Teil der Präsentation konnte sich das Publikum über die aktuelle Gesetzeslage zur Barrierefreiheit im Allgemeinen und am Arbeitsplatz auf den neusten Stand bringen lassen. In Form einer kleinen Präsentation wurde mit vielen klaren Beispielen gezeigt, wie tief z.B. ein Bürgersteig zu sein hat, damit ein Rollstuhlfahrer gut hinauf und hinunter kommt. Auch wurde erläutert, auf welche Kontraste zu achten ist, damit man sehbehinderten Menschen das Leben in Gebäuden und auf Wegen leichter macht. Auch gesetzliche und bauliche Vorschriften für Architekten wurden angesprochen. Sehr interessant, auf was man alles achten muss.

Im zweiten Teil des Vortrags lag der Fokus  auf der leichten Zugänglichkeit von digitalen Informationen sowie den neuen Möglichkeiten der digitalen Arbeitswelt und dem Einsatz von leichter Sprache. Alleine mit dem Blick auf mein Herzensthema „Barrierefreiheit“ habe ich einige wichtige Dinge aus dem Vortrag für mich mitnehmen können. Während Mona Heidenthal sich zum nächsten Vortrag aufmachte, blieb mir hingegen noch Zeit etwas zu Essen und mich auszutauschen, bis es auch für mich mit dem letzten Vortrag des Tages „Das ICF verstehen und nutzen“ weiter ging.

Da mit der Verabschiedung des neuen Bundesteilhabegesetzes die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ (International Classification of Functioning, Disability and Health), eine hohe Bedeutung für Leistungsberechtigte, Leistungsträger und Leistungserbringer erhält und somit einfach ausgedrückt, mich als Betroffenen bzw. Leistungsberechtigten direkt betrifft, entschloss ich mich, den Vortrag von Herrn Prof. Dr. Gerd Grampp zu besuchen und so zu verstehen, was da eigentlich genau hintersteckt.  Um es kurz auf einen Punkt zu bringen: der Vortrag war selbst für mich gut nachzuvollziehen und ich hatte nachher sogar die Möglichkeit eines persönlichen Gespräches mit ihm.

Auch wenn die Uhr schon 17 Uhr geschlagen hatte und wir uns alle vor dem Ausgang der Messehalle treffen wollten, ließ ich es mir nicht nehmen, noch kurz vor Torschluss beim Stand mit dem Rollstuhlkicker vorbei zu rollen,  um ihn mir etwas genauer anzuschauen und ihn auszuprobieren. Dann war es geschafft: Ein sehr interessanter und spannender, aber auch sehr anstrengender Tag auf der Messe war zu Ende.

Danach fuhren wir mit der U-Bahn nach Nürnberg, um noch etwas von der Stadt zu sehen und gemeinsam etwas zu essen. Ach ja, bevor ich es vergesse: Nürnberg ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Donnerstag 19.04.2018

Es war genau 9:00 Uhr. Jeder aus unserer Truppe hatte auch heute einen Plan, wie sein Tag verlaufen sollte, als wir uns alle auf der Messe befanden und gespannt auf die verbleibenden vier Stunden blickten, die uns heute noch auf der Messe blieben, bis wir uns wieder auf den Rückweg nach Hause aufmachen mussten.

Jenny Kötzsch und ich ließen den Tag ruhig angehen, da bis zu unserem Vortrag des Tages “Ein Jahr BTHG aus Sicht von Betroffenen und Werkstattangehörigen” um 10:45 Uhr noch Zeit war. Also verschafften wir zwei uns erstmal einen richtigen Überblick über die Messehallen.

Auf der Messe stellten eine ganze Reihe von Werkstätten aus der ganzen Bundesrepublik ihr Können vor. Sie präsentierten ihre selbst hergestellten Produkte, wie zum Beispiel Grußkarten und vieles Andere mehr. Aber auch Hilfsmittel für die Arbeit in der Werkstatt wurden viele vorgestellt.

Wir haben natürlich sehr viele Sachen gesehen, die wir in den RTW auch machen, außerdem haben wir uns mit vielen Kollegen aus anderen Werkstatträten Deutschlands unterhalten und ausgetauscht. Es gab viele Infohefte und Flyer, von denen wir auch einige für unsere Arbeit mit nach Düren gebracht haben. Auf dem Stand der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte Deutschlands gab es einen Ideenaustausch und eine herzliche Diskussion. Hierbei machten wir auch ein gemeinsames Foto.

Unser sehr interessanter, aber gefühlt viel zu kurzer Messerundgang neigte sich dem Ende zu und unser letzter Vortrag stand an - auch wenn wir noch sehr gerne viele Stunden dort verbracht hätten.

Zum Abschluss unseres zweitägigen Besuches auf der Werkstättenmesse in Nürnberg hatten wir beide noch die Gelegenheit am Vortrag “BTHG aus Sicht von Betroffenen und Werkstattangehörigen” teilzunehmen, wo Themen wie die Umsetzung der neuen Mitwirkungsverordnung mit besonderem Fokus auf die Mitbestimmungsrechte des Werkstattrates, oder auch die Einführung der Frauenbeauftragten in den Werkstätten leidenschaftlich diskutiert worden sind.

Bevor wir uns dann nach dem Ende des Vortrages zum vereinbartem Treffpunkt aufmachten, wo wir von dort aus zusammen mit den Anderen zum Bahnhof aufbrechen wollten, blieb noch Zeit für eine kleine Bretzel samt Kaffee am Stand der Lebenshilfe.

Dann fuhren wir wie geplant um 13:30 Uhr vom Nürnberger Hauptbahnhof mit der Deutschen Bahn in Richtung Heimat ab. Am frühen Abend gegen 18 Uhr erreichten wir in bester Laune Düren.

Zwei wunderschöne Tage Werkstättenmesse in Nürnberg, voller Spannung und mit viel Freude sind wie ein kurzer Wimpernschlag an uns vorbeigegangen. Aber wir haben viele Dinge gehört, gesehen und erfahren und dadurch sehr viel Neues gelernt.

Herzliche Grüße, Lulzim Lushtaku

Vorsitzender des Werkstattrates der RTW"